Peru – Heimat der Alpakas

04-img_2487Letztes Jahr, im September 2015, machte ich eine wundervolle, aufregende Reise nach Bolivien und Peru. Mein Strickerinnenherz schlägt immer noch höher, wenn ich an diese Reise zurück denke: an das Land der Alpakas, dieser weichen, drolligen und wolligen Tiere. Natürlich habe ich auch einen kleinen Abstecher nach Machu Picchu gemacht – aber hier möchte ich euch weniger von den wunderschönen Landschaften von Perus und Boliviens erzählen als vielmehr von meinen wolligen Abenteuern dort.

Nicht nur Perus Export besteht zu Teilen aus Textilien – auch im Alltag in Peru oder Bolivien begegnet man häufig strickenden Frauen. So saß mir in einem Minibus beispielsweise eine fleißige Strickerin gegenüber. Aber auch auf der wunderschönen, autofreien Isla del Sol im Titicacasee konnte ich eine Bolivianerin beim Stricken beobachten. Die strickenden Männer von Peru habe ich auf meiner Reise jedoch nicht besucht – wer sich dafür interessiert, kann einen Blick hierhin werfen.

Meine Lieblingsbegegnung ereignete sich auf der Fahrt vom Colca Cañon zurück nach Arequipa. Um noch viel vom Tag im Cañon zu haben, fuhren wir erst spät zurück nach Arequpia. Zum Glück reichte jedoch das Licht noch aus, um Ausschau nach Vicuñas zu halten. Ich hatte nämlich gehört, dass sich diese im flachen Hochland besonders wohl fühlten und in dieser Gegend hin und wieder beobachtet werden könnten. Vicuñas sind mit den Alpakas und Lamas verwandte Tiere. Zu den Zeiten der Inka durften nur Adlige Kleidung aus diesem Fell und dieser Wolle tragen. Nach Niedergang des Inkareiches dezimierte sich der Bestand der Vicuñas. Auch heute ist er noch nicht auf die ursprüngliche Anzahl angewachsen – allerdings sind Vicuñas nicht mehr vom Aussterben bedroht. Heutzutage leben Vicuñas nur in freier Wildbahn und dürfen nur einmal pro Jahr zum Scheren eingefangen werden. Das wird jedoch von staatlichen Behörden übernommen und nur Vicuña-Wolle mit einer bestimmten Kennzeichnung darf verkauft werden, um der Wilderei vorzubeugen. Nicht grundlos ist die Vicuña-Wolle so begehrt und schützenswert: sie gilt als eine der feinsten und weichsten Fasern der Welt. Durch den geringen Bestand an Vicuñas ist auch ihre Wolle sehr, sehr selten und wird auf dem Weltmarkt mit etwa 7 bis 15 Euro pro Unze (d.h. 30g) gehandelt. Das ist ein Preis von 23 bis 50 Euro pro Kilogramm – und das in unverarbeitetem Zustand. Wenn ihr mehr über Vicuñas und das Scheren („Chaccu“) wissen wollt, könnt ihr hier weiterlesen.

Ich habe aber nicht nur Lamas, Alpakas und Vicuñas auf meiner Reise gesehen – ich habe außerdem sehr viel über den Verarbeitungsprozess von Wolle gelernt. In Arequipa gibt es die Mundo Alpaca der Firma Sol Alpaca – dabei handelt es sich um eine Art kleines Museum, das die verschiedenen Faserarten vorstellt und einen guten Einblick in die Wollverarbeitung gibt. Zunächst war ich etwas irritiert, dass ich tatsächlich die einzige Besucherin zu sein schien – aber dann nutzte ich diese Situation aus, um mir besonders viel Zeit an den einzelnen Exponaten zu lassen.

07-img_2676
Hier werden die unterschiedlichen Farben gezeigt, die das Fell von Alpakas annehmen kann

Zunächst wurde ich über die einzelnen Faserarten informiert – von Angora bis Yak war alles dabei. Besondere Aufmerksamkeit schenkte ich aber den Vicuñas, Lamas, Alpakas und Guanakos. An der nächsten Station wurde gezeigt, wie Alpakawolle sortiert wird. Dort gab es eine Art Becken, in dem Wolle unterschiedlicher Farbe lag – und diese Wolle wurde tatsächlich an Ort und Stelle per Hand nach Farbe und Qualität sortiert. Dabei waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Farbnuancen teilweise so gering, dass ich sie mit dem bloßen Auge nicht erkennen konnte.

Sehr interessant fand ich auch den Abschnitt des Museums, in dem gezeigt wurde, welche Farben Garn annehmen kann, wenn man es mit bestimmten Naturmaterialien färbt. Aber nicht nur Handarbeit war Thema des Museums – es wurden auch mannigfaltige Maschinen ausgestellt, mit denen man die einzelnen Fasern zum finalen Garn verarbeitet. Hilfreich war auch, dass die einzelnen Maschinen mit ihrem jeweiligen „Input“ und „Output“ ausgestellt wurden, sodass man sehen konnte, welche Wirkung der Einsatz dieser Maschine auf die Fasern hatte. Dadurch ließen sich die einzelnen Arbeitsschritte bei der Wollverarbeitung besonders gut nachvollziehen.

In dem sich der Mundo Alpaca anschließenden Geschäft von Sol Alpaca ließen sich dann auch unterschiedliche Kleidungsstücke aus Alpacawolle erwerben – diese Geschäfte gibt es jedoch häufiger in Südamerika (und eines sogar in Sidney) und scheinen hauptsächlich darauf abzuzielen, Touristen und gut betuchte Peruaner mit hochwertiger Kleidung aus Alpacawolle zu versorgen. Spannender für mich als Strickerin waren die einzelnen Wollknäuel aus Alpacawolle, die es bei Sol Alpaca auch zu kaufen gibt. Allerdings ist die Auswahl an Farben und Zusammensetzungen nicht besonders groß, was dem Fokus auf Textilien geschuldet ist. Ich war trotzdem sehr glücklich, als ich mir in Lima einige Knäuel knallblauer Wolle kaufte – herrlich weiche Alpacawolle mit einem Seidenanteil.

Nicht nur in Peru lassen sich Garne aus Peru kaufen. Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, werben mehrere Unternehmen mit Garnen aus Peru. We are Knitters wirbt beispielsweise für ihre peruanische Pima-Baumwolle, die ich auch schon einmal auf einer Susi-Strickliesel-Strickparty ausprobieren durfte. Alpacawolle aus Peru wird auch auf fairalpaca.de verkauft – ein Video über ihre Alpacafarm in Peru findet ihr hier. Zu guter Letzt möchte ich euch außerdem noch auf die Garne von Lamana aufmerksam machen – auch ihre Alpacawolle und Pima Baumwolle wird in Peru produziert. Das spiegelt sich auch in den Namen der Garne wider: einige sind nach peruanischen Städten benannt, wie beispielsweise „Puno“.

06-img_2597
Ein neugieriges Lama in Machu Picchu

Noch ein kurzes Fazit zum Schluss: Peru ist nicht nur ein wunderschönes, abwechslungsreiches Reiseland und Heimat der Alpacas – nein, man kann in Peru auch herrlich viel über Wollproduktion lernen. Und natürlich problemlos seinen Wollvorrat auffüllen… 😉

If you want to read this blog post in English, follow this link.

Advertisements

One thought on “Peru – Heimat der Alpakas

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s